Unterwasser Fotografie – Eine Einführung

26.05.2019 von Editor Team

Ein Kurs zur Unterwasser Fotografie

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Um die Welt unter Wasser noch besser festhalten zu können, habe ich mich entschlossen auf der Insel Koh Tao im Golf von Thailand einen fortgeschrittenen Tauchkurs zum Thema Unterwasser-Fotografie zu belegen. Bei den Sairee Cottage Divers wurde ich nach einigen Vergleichen fündig. Ein Kurs über 4 Tage für 20.000 thailändische baht (umgerechnet ca. 500€) inklusive aller Kursmaterialien, Tauch-Equipment und 9 Tauchgänge mit Lunch auf dem Boot.

Tag 1 – Theorie und Poollektion

Mein Ausbilder empfing mich am ersten Tag um 10 Uhr an der Rezeption der Tauchschule. Paddy ist ein Divemaster aus England und arbeitet bereits seit ein paar Jahren bei den Sairee Cottage Divers als Unterwasser-Fotograf. Üblicherweise sorgt er für die schönen Erinnerungsbilder eines Open Water Diver Kurses. Von Zeit zu Zeit lehrt er aber auch Tauchern, wie mir, die Kunst der Fotografie unter Wasser.

Die Schulbank drücken

Wie am Anfang eines jeden Tauchkurses üblich, starteten auch wir mit einer Theorielektion. Die Grundlagen der Fotografie und ihre Anwendung unter der Meeresoberfläche standen im Vordergrund. Wie man sich wohl vorstellen kann, sind nicht alle Praktiken an Land 1 zu 1 auf die Schwerelosigkeit und anderen Gegebenheiten unter Wasser übertragbar. Zum Beispiel erscheinen alle Objekte durch das Wasser größer und näher. Das gilt es bei den Kameraeinstellungen zu berücksichtigen.

Wasser – Der natürliche Feind der Kamera

Um unter Wasser Bilder machen zu können, gehört dazu nicht nur das Erlenen von speziellen Techniken, sondern auch die nötige Ausrüstung. Essentiell ist logischerweise ein passendes Gehäuse. Hier hat man die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Anbietern und Arten der Hülle, von einem günstigen Plastikbeutel für Schnappschüsse beim Schnorcheln, bis zum vollwertigen Metallgehäuse. Wie bei den meisten Hobbys sind der Fantasie und dem Budget hier kaum Grenzen gesetzt.

Einsteiger-Gehäuse zum Tauchen beginnen schon bei etwa 300€. Wichtig ist sich vorher fachkundig bei einem Händler seines Vertrauens beraten zu lassen, um das für seine Bedürfnisse richtige Equipment zu finden.

Nichts ist ärgerlicher, als im Urlaub festzustellen, dass etwas mit der getroffenen Wahl nicht stimmt, weil beispielsweise nicht alle Knöpfe der Kamera auch durch die Bedienung des Gehäuses erreicht werden können.

 

1000 und 1 Zubehörteil

Zusätzlich zum Gehäuse gibt es natürlich auch jede Menge Möglichkeiten seine Ausrüstung zu erweitern.

So hat man zum Beispiel die Wahl zwischen verschiedenen Objektiven, die man auf sein Gehäuse schrauben kann, sofern es das ermöglicht.

Auf Grund des häufigen Mangels an genügend Licht, der schon ab 10 Meter Tiefe beginnt, ist es ratsam eine zusätzliche Lichtquelle mit auf Tauchstation zu nehmen. Der Blitz der Kamera ist dabei meist keine gute Alternative. In den meisten Fällen nutzt man entweder einem externen Blitz oder eine Taschenlampe für diese Zwecke. Beide haben ihre Vor- und Nachteile, welche es abzuwägen gilt. Ich persönlich habe mich für eine Lampe entschieden, die mit Hilfe eines Griffs am Gehäuse befestigt wird. Für mich war die Platzersparnis auf Reisen und zusätzliche Verwendung (eben als stinknormale Unterwasser-Taschenlampe) ausschlaggebend.

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Die Poollektion

Der Theorie im Trockenen folgten die ersten praktischen Übungen im Taucher-Pool. Auf 3 Metern Tiefe war zunächst das Gleichgewicht gefragt. Je nach gewählter Kamera-Konfiguration kann diese unter Wasser entweder positiv oder negativ tariert sein, was es auszugleichen gilt. Zur Simulation dessen gab mir Paddy immer wieder verschiedene Gewichte in die Hände und nahm sie zurück. Eben so, als würde ich die Kamera beim Tauchgang von einer in die andere Hand nehmen. Je nach Erfahrungsgrad benötigt man hierfür etwas Zeit, weshalb wir grundsätzlich nur fortgeschrittenen Tauchern empfehlen würden sich mit dem Thema Unterwasser-Fotografie zu beschäftigten. Andernfalls gefährdet man nicht nur sich, sondern auch die Unterwasserwelt durch mögliche Probleme bei der Tarierung.

Zum Abschluss praktizierte ich noch die ein oder andere zuvor besprochene Einstellung für unterschiedliche Motive. Der Verschlusszeit und Blende kommt im manuellen Modus bei der Fotografie unter Wasser die größte Aufmerksamkeit zu.

Tag 2 – Weitwinkel, Makro, Umgebungslicht und Blitz

Auf meinen ersten beiden Tauchgängen startete ich zunächst mit dem Weitwinkel-Objektiv, da ich auch an Land vor allem ein Freund von Landschaftsaufnahmen bin. Um mich nicht zu sehr zu verwirren bekam ich von Paddy zunächst keine externe Lichtquelle, sondern die Aufgabe das vorhandene Umgebungslicht für die Belichtung des Bildes zu nutzen.

Egal mit welcher Ausrüstung man fotografiert, gelten die folgenden goldenen Regeln:

  • Oberste Regel: Die eigene Sicherheit und die der Tiere (auch Korallen!) kommt immer zuerst! Das heißt, wir halten uns nirgends fest oder schwimmen Lebewesen nach, die offensichtlich ihre Ruhe suchen!
  • So nah an das Objekt der Begierde heran wie möglich (Regel Nr. 1 beachten!)
  • Niemals von oben herab fotografieren
  • Am besten etwas Richtung Oberfläche knipsen, m möglichst viel Umgebungslicht einzufangen
  • Ein Tier von hinten fotografiert sieht nicht nur blöd aus, sondern zeigt auch, dass du Regel Nr. 1 nicht beachtet hast
  • Schau mir in die Augen Kleines: Versuche die Augen scharf zu stellen. Guckt das Lebewesen in die Kamera, ohne dass du es verschreckst, fesselt es den Betrachter.

Zur weiteren Komposition des Bildes ist die Regel der Drittel (englisch: „Rule of thirds“) besonders nützlich. 

Üblicherweise bietet die Kamera zur Unterstützung hierfür ein Gitternetz mit 9 gleich großen Quadraten an. Vereinfacht gesagt macht es demnach Sinn, das Hauptobjekt nicht direkt in der Mitte zu platzieren, sondern einen Fisch zum Beispiel „in das Bild“ hinein schwimmen zu lassen. „Aus dem Bild heraus“, also im letzten Drittel von links nach rechts, sieht dagegen meist eher seltsam aus.

Für unseren dritten Tauchgang an einem anderen Tauchplatz in Inselnähe wählte Paddy die Zusammenstellung mit Makro-Linse und zunächst nur einem Blitz, um mich langsam an den Umgang zu gewöhnen. Anders als erwartet hatte ich viel Spaß beim Makro-Fotografieren. Schon bei diesem ersten Tauchgang habe ich Sonderheiten beobachtet, die mir beim „normalen“ Tauchen nie aufgefallen sind. Tatsächlich konnte man beispielsweise Verhaltensmuster bei Anemonenfischen erkennen. Deren Antizipation dann wiederum zum gewünschten Bild führen kann. Neben dem Beobachten kann man als weiteren Grundsatz festhalten: Wenn du kleine Lebewesen, wie Nacktschnecken finden möchtest, dann suche ihr Futter. 😉

Tag 3 – Weitwinkel und zwei Blitze

Am dritten Tag war ich dann bereit für das „volle Paket“. Weitwinkel Linse aufgeschraubt, einen Blitz links, einen rechts ausgerichtet und ab die wilde Fahrt. Eine „wilde Fahrt“ sollte es im wahrsten Sinne des Wortes werden. Nun machte plötzlich alles Sinn. Die Theorie, das Tarieren im Pool und der Tag zuvor mit einer „light-Version“ der Anwendung von Blitzen. Überwältigt von all den Einstellungsmöglichkeiten und der zusätzlichen Strömung gelang mir auf Anhieb nicht viel. Mehr Ausrüstung bedeutet nämlich nicht nur mehr Gewicht, sondern auch mehr Angriffsfläche für Wasserbewegungen. Erst beim dritten und letzten Tauchgang an einem Wrack wurde ich langsam vertraut mit der Materie. Nichtsdestotrotz entschied ich mich am Ende des Tages dazu, beim nächsten Mal lieber wieder mit einer ähnlichen Konfiguration zu üben, die ich auch selbst im Gepäck habe.

Tag 4 – Weitwinkel, Makro und Video mit Umgebungslicht

Obwohl ich eine Taucherlampe mit passender Befestigung für mein Unterwasser-Gehäuse im Koffer habe, beschloss ich am letzten Tag (Achtung Wortspiel) den Fokus auf die Nutzung des Umgebungslichts zu legen. Für den ersten Tauchgang machte Paddy mich hierfür zusätzlich mit der Technik „close focus wide angle“ (deutsch so viel wie: naher Fokus und Weitwinkel) vertraut. Wie der Name schon sagt, versucht man so nah wie möglich an ein Objekt heranzukommen, mit dem man den Vordergrund komposiert, um dann mit Hilfe des Weitwinkelobjektivs noch so viel vom Hintergrund(licht) wie möglich einzufangen. Voll konzentriert auf die Zusammensetzung des Bildes und die richtigen Kameraeinstellungen habe ich darin meine favorisierte Fotografie-Methode gefunden. 

Beim anschließenden Makro Tauchgang konnte ich ebenfalls meinem neu hinzugewonnenen Interesse frönen. Das letzte Abtauchen nutzen wir für ein paar Videographie-Techniken. Bewegte Bilder rufen in jemandem, der noch nie tauchen gewesen ist, oft mehr Verständnis für die wunderschöne Unterwasserwelt hervor, als Fotoaufnahmen.

 

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich für den wirklich tollen und lehrreichen Kurs bei Paddy selbst und dem gesamten Sairee Cottage Diving Team für 4 entspannte Tage an Bord bedanken!