Schnorchel

20.12.2016 von ricardo
pendulum breathing snorkeling

Tauchmaske & Flossen vorhanden: Wunderbar. Zur Sicherung des ersehnten Unterwasserblicks ohne lästige Unterbrechungen zum Luftholen fehlt nur noch ein länglicher Verbindungshohlkörper bis zur Wasseroberfläche. Im Angebot ein 110 mm Mehrschichtverbundrohr mit Winkelstück aus dem Baumarkt, 5 ineinandergesteckte Partystrohhalme oder ein 70 cm Gartenschlauchrest von Onkel Willibald aus dem Schrebergarten. Hauptsache ist doch, das Ding reicht vom Mund bis zur Unterwasserverlockung, nicht wahr? – Irrtum!

  1. Die DIN-Maß-Regeln für Schnorchel

Maximale Länge vom Mundstück bis zum oberen Schnorchelende 35 cm (Kinder 30 cm).

Innendurchmesser 18 bis 25 mm (Kinder nur 15 bis 18 mm).

 

Warum nicht länger und dicker? 

Knackpunkt I: Rund 500 ml Luft atmest du mit jedem Atemzug ein oder aus. Das Volumen eines Schnorchels nach DIN-Norm beträgt 90 ml bis maximal 170 ml. An diese künstliche Lungenrohrzuleitung schließt sich der Anteil deines körpereigenen, natürlichen Luftleitungssystems, der selber nicht am eigentlichen Gasaustausch beteiligt ist (sogenannter Totraum, z.B. die Luftröhre). Dieser Anteil fasst circa 150 ml.

Bereits eine Verlängerung deines Schnorchels (ø 25 mm) um eine knappe Kugelschreiberlänge von 15 cm hat gravierende Folgen: Der Mammutanteil deiner Ausatemluft, nämlich knapp 400 ml, verbleibt  im Zuleitungssystem. Anstatt im lebensnotwendigen Umfang gegen Frischluft ausgetauscht zu werden, pendelt er nur in den natürlichen und künstlichen Räumen bis zur Lunge (Pendelatmung).  Gerade einmal  ⅕ deiner Ausatemluft schafft den Weg nach draußen und kann ersetzt werden.

Noch folgenschwerer: Du verbindest zwei DIN-Schnorchel (ø 25 mm, Länge 35 cm) zu einem 70 cm Objekt. Ein Luftaustausch ist in diesem Fall gänzlich unmöglich. Du wirst deine komplette Ausatemluft wieder einatmen. Mit jedem Atemzug sinkt der Sauerstoffgehalt der dir zur Verfügung stehenden Pendelluft. Weitaus dramatischer jedoch ist ihre rasante Anreicherung mit einem Abfallstoff deines Körpers, dem Stoffwechselprodukt Kohlendioxid. Jedes Ausatmen verhundertfacht den Gehalt dieses Gases im Zuleitungssystem zu deinen Lungen bis die Konzentration in der Pendelluft schließlich so hoch ist, dass die Transportvorgänge zum Erliegen kommen. Die Müllentsorgung stagniert, denn drinnen (im Gewebe und Blut)  wie draußen (in der Pendelluft des Schnorchels) stapelt sich der Abfallstoff Kohlendioxid. Das nötige Entsorgungsgefälle für die Diffusion aus dem Körperinneren in die Ausatemluft gibt es nicht mehr. Das Gas verbleibt im Körper.

Ist in der Pendelluft eine Kohlendioxidkonzentration von  8-10 % erreicht, führt das zu Atemnot, Schwächegefühl, Bewusstlosigkeit (nach 30 – 60 Minuten zum Tod).

Erreicht die  Kohlendioxidkonzentration 20 %, wird ein Mensch innerhalb kürzester Zeit bewusstlos (Tod nach 5-10 Min).

Knackpunkt II: Wasser ist 1000 Mal schwerer als Luft. Der unter Wasser wirkende Druck ist enorm. Auf einer Fläche von 1 m x 1 m deines Körpers lastet in 1 m Tiefe das Volumen von 1 m³ Wasser, das entspricht einem Gewicht von 1000 kg. Mit zunehmender Tauchtiefe erhöht sich der hydrostatische Druck. Gefährlich ist dies insbesondere für deine luftgefüllten Hohlräume wie u.a. die Lungen, denn mit steigendem äußeren Druck, nimmt das Volumen der Gase in diesem wie anderen Hohlräumen deines Körpers ab (Gesetz nach Boyle-Marionette). Es entsteht ein Unterdruck mit möglichen entsprechenden Gewebeschäden (vergleichbar einem Knutschfleck). Das Gas wird mit zunehmendem Druck und abnehmendem Volumen zäher (visköser) und strömt weniger leicht. Der dadurch erhöhte Atemwiderstand erschöpft die ohnehin schon unter Druck stehende Atemmuskulatur und führt zu Störungen der Atmung (sogenanntes: Essoufflement).

Das Lungengewebe presst das Atmungsorgan zudem noch weiter zusammen.

Bereits ab einer Wassertiefe von 60 cm kann es zu Lungenschädigungen kommen, ab 1 m unter der Wasseroberfläche würde dir das Einatmen durch ein Rohr aufgrund des Unterdrucks (von 0,1 bar) nicht mehr möglich sein. Wichtig ist also, dass der Druck deiner Atemluft an den Wasserdruck, der u.a. auf deinen Brustkorb wirkt, angepasst wird. Willst du tauchen und kontinuierlich, optimal und sicher mit Luft versorgt sein, muss dir das Atemgas mit Umgebungsdruck zur Verfügung stehen, also entweder über einen Kompressor an der Oberfläche oder über Druckluftflaschen und Atemregler, die du als Taucher mit unter Wasser nimmst.

Also: Finger weg von Schnorchelmanipulationen, Baumarktrohren, Partyhalmen oder Gartenschlauchresten.

Frage jetzt bitte nicht, wie Apnoetaucher den Druck in Tiefen von 100 m oder 200 m überleben! Selbst Wissenschaftlern ist das teilweise noch immer ein Riesenrätsel. Erste Anhaltspunkte dazu findest du unter dem Stichwort Apnoetauchen in diesem Glossar.

 

Tipps zu Modell- & Ausstattungs-Varianten für Schnorchel

Werde ein wissender Ja-Sager!

Ja! – zu einem anatomisch geformten, leicht gebogenen Atemrohr, denn dadurch reduziert sich die eindringende Wassermenge.

Ja! – zu einem elastischen, gut geformten, drehbaren Mundstück aus Silikon, das du liebst wie ein Baby seinen Schnuller.

Ja! – zu einem wirksamen Spritzschutz, der dir einen Schnorchelgang im XXL-Relax-Format sichert.

Ja! – zu einem glatten Atemrohr mit wenig Atemwiderstand, damit du entspannt Luft ein- und ausblasen kannst.

Ja! – zu einem signalfarbenen Sicherheitstreifen am Schnorchelende, damit du für zischende Segler und röhrende Motorboote sichtbarer wirst.

Ja! – zu einem Ausblasventil, um dir die Wasserentleerung zu erleichtern.

Bist du ein Mundstück-Kaumonster?

Wenn, dann erspart dir ein Schnorchel mit abnehmbarem und austauschbarem Mundstück, die Kosten des wiederholten Kaufes komplett neuer Schnorchel.

Bist du kein Befestigungs-Gedulds-Kind?

Wähle ein nervenschonendes Modell mit einem Schnorchelhalter zum An- und Abklicken (Clip). Ein Teil der Verbindung verbleibt am Band deiner Tauchmaske, der andere am Schnorchel. Ohne absolvierte Flecht- oder Handarbeitskurse kann dein „Luftrohr“ relaxt am Maskenband befestigt oder davon gelöst werden (stets auf der linken Seite übrigens, damit es kein Gerangel mit Atemregler & Co gibt).

Bist du Giraffen-Gigant oder Erdmännchen-Bonsai?

Kleinere Menschen benötigen meist ein kleineres Mundstück, um sich wohl zu fühlen. Vor allem aber auch einen Schnorchel mit geringerem Rohrdurchmesser. Die Lungenkapazität zarter oder schmaler  Personen reicht eventuell nicht, um die gesamte verbrauchte Luft durch ein großlumiges Rohr auszuatmen (siehe Knackpunkt I), sie wird erneut eingeatmet, der erwünschte komplette Austausch von Luftresten kann nicht erfolgen, es kommt zur sogenannten Pendelatmung (Wiedereinatmen des ausgeatmeten Kohlendioxids).

Eine Anmerkung: Ein zu kleiner Schnorcheldurchmesser erweist sich für große Menschen entsprechend ebenfalls als Problem.
Ein Hinweis: Kindergröße? Kindergröße! Kinder benötigen auf jeden Fall ein an sie angepasstes, kleineres Mundstück, einen kleineren Rohrdurchmesser, ein kürzeres Rohr. Es gilt: Mami-Papi-Geschwister-Freund-Verleihaktionen? Nein, danke!

Sei ein Hydrodynamik-Freak!

Die Flossen sind bequem, die Tauchmaske sitzt wie angegossen, nur der Schnorchel ist alles andere als strömungsgünstig, eher eine Wuchtbrumme. Nach ein, zwei Stunden im Wasser ermüdet deine Mundmuskulatur durch einen solchen Bremsklotz, den du durchs Wasser schieben musst. Achte also nicht nur bei deinem Körper auf hydrodynamische Schnittigkeit.

Sei ein Schlau-Taucher!

Lass es wahr werden: Dein Schnorchel & du, ein unzertrennliches Dream-Team.

Stell dir vor, du musst bis zum Abtauchen am Riff noch eine Distanz an der Oberfläche zurücklegen. Nutze dein Druckluftreservoir in der Flasche lieber für die Highlight-Minuten unter Wasser.

Stell dir vor, die Flasche ist fast leer, du musst deinen Tauchgang vorzeitig beenden, Tauchboot oder Ufer sind nicht in Drei-Flossenschlag-Distanz, der Wellengang ist heftiger als zu Tauchbeginn, die Atmung wird durch das Spritzwasser erschwert. Hättest du jetzt doch nur einen Schnorchel! Die höher liegende Öffnung würde das Einatmen bequemer und sicherer machen.

Stell dir vor, du musst längere Zeit an der Oberfläche auf das Boot warten, das dich nach dem Tauchgang abholt …

Stell dir vor, stell dir vor, stell dir vor …

Deshalb, deshalb und deshalb: Sei ein Schlau-Taucher!

Und übrigens: Die Ausrede, du wüsstest während des Tauchganges nicht wohin mit dem lästigen Rohrsystem, gilt nicht. Wenn es dich an der linken Seite deiner Tauchmaske wirklich unerträglich stört, steht dir das Rüsselding als faltbare, rollbare, knickbare Variante zur Verfügung. Außerdem könntest du ihn für die Zeit des Tauchens mit zwei Gummibändern an deinem Oberschenkel befestigen oder unter die Bänderung des Tauchermessers am Bein stecken, nicht wahr?

Fazit: Schnorchler brauchen Schnorchel. Taucher auch!


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